Urheberrecht für Texte

Schutzfähigkeit von Texten (auch im Internet)

Ich habe in letzter Zeit vermehrt Abmahnungen für kopierte Texte erhalten, die geschichtliche Abhandlungen oder Biografien von Bands auf Internetseiten betrafen. Betroffen waren gemeinnützge Vereine oder Fanportale. Die Beantwortung des Urheberrechtsschutzes bedarf einer Einzelfallprüfung. Texte werden in Kurzmeldung, Nachricht, Bericht, Reportage, Feature, Porträt, Interview, Kommentar, Kritik, Glosse, Leitartikel, Kolumne, Essay, und Rezension/Feuilletoin unterschieden (http://de.wikipedia.org/wiki/Journalistische_Darstellungsform).

Die Kurzmeldung ist nicht schutzfähig. Die Form der Veröffentlichung einer Nachricht bspw. in einem Internetmagazin ohne Zustimmung des Urhebers/Nutzungsberechtigten birgt dagegen hohe Brisanz, da deren Urheberrechtsschutzfähigkeit kontrovers diskutiert und von den Gerichten entschieden wird. Die Abgrenzung zum Bericht oder Reportage ist nicht ganz einfach. Ab der Einordnung des Bericht abwärts bis zur Rezension wird der urheberrechtliche Schutz des Textes grundsätzlich zu bejahen sein, weshalb der Nachricht als Textform besondere Aufmerksamkeit zu schenken ist.

Verfielfältigung / Veröffentlichung von Nachrichten grundsätzlich zulässig

 Gemäß § 49 UrhG  ist es  grundsätzlich zulässig Zeitungsartikel und Rundfunkkommentare zu vervielfältigen und die Verbreitung einzelner Rundfunkkommentare und einzelner Artikel sowie mit ihnen im Zusammenhang veröffentlichter Abbildungen aus Zeitungen und anderen lediglich Tagesinteressen dienenden Informationsblättern in anderen Zeitungen und Informationsblättern dieser Art sowie die öffentliche Wiedergabe solcher Kommentare, Artikel und Abbildungen, wenn sie politische, wirtschaftliche oder religiöse Tagesfragen betreffen und nicht mit einem Vorbehalt der Rechte versehen sind. Für die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe ist dem Urheber eine angemessene Vergütung zu zahlen, es sei denn, daß es sich um eine Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Wiedergabe kurzer Auszüge aus mehreren Kommentaren oder Artikeln in Form einer Übersicht handelt. Der Anspruch kann nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden.

Unbeschränkt zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe von vermischten Nachrichten tatsächlichen Inhalts und von Tagesneuigkeiten, die durch Presse oder Funk veröffentlicht worden sind, § 49 Abs. 2 UrhG. So auch das LG Düsseldorf  (Urteil vom 25.04.2007, Az. 12 O 194/06).

Ausnahme von der Veröffentlichung von Nachrichten als grundsätzlich zulässig

Eine Ausnahme hiervon hat das OLG Karlsruhe in seinem Urteil vom 10.08.2011, AZ. 6 U 78/10 gemacht, indem es die Urheberrechtschutzfähigkeit eines Nachrichtentextes bejahte, da er nicht nur rein tatsächliches kurz wiedergab, sondern komplexe Hintergrundinformationen über den Tod einer Tumorpatientin in Frankreich in Verbindung mit Fakten gab sowie ein Bericht über die Loveparade kopiert wurde und damit die erforderliche Schöpfungshöhe des Ausgangswerks als Schriftwerk erreichte.

Fazit zum Urheberrechtsschutz von Texten

Jeder der fremde Texte benutzt sollte sich Gedanken darüber machen, wieviel Arbeit in dem Text steckt, den er zu übernehmen gedenkt und sich gegebenenfalls juristischen Rat einholen.

Sie können auf meine Beiträge gern von Ihrer Homepage aus verlinken.

Ihr Rechtsanwalt Thilo Zachow

Dresden – 7 Tage – 24 h. 0351 21066970