Pokémon Go und der Datenschutz und die Entfernung von Pokéstops

Geschrieben von: Rechtsanwalt Thilo Zachow, Fachanwalt für IT - Recht, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, TÜV Nord zertifizierter Datenschutzbeauftragter

Veröffentlicht am: 12. August 2016

Personenbezogene Daten werden getrackt und in die USA transferiert. Niantic lässt sich selbstverständlich die Rechte an den gesammelten Daten einräumen, ohne dass der Zweck erklärt wird.

Richtig, es geht um Pokémon Go und dem dazugehörigen Pokémon Trainer Club!

Ein unglaublicher Hype um ein mäßiges Spiel, welches mit Serverabstürzen garniert, Akkus und mobile Internetvolumen der Nutzer leersaugend daherkommt und den kommerziellen Erfolg des Sommers 2016 darstellt.

Aus datenschutzrechtlicher Sicht faszinierend igorant wird konsequent “amerikanisches Datenschutzrecht” angewendet. 20 Seiten Nutzungsbedingungen (natürlich gelesen und ausgedruckt) räumen alles ein, was bei drei nicht auf dem Baum ist (Rechte an der Nutzung aller gesammelten Nutzerdaten) und der Forschung und Analyse (von was?) und anderen Zwecken (nicht näher definiert) dient.  Eine getrennte Einwilligung in die Erhebung und Verarbeitung personenbezogener Daten fehlt. Die Weitergabe der personenbezogenen Daten an Dritte (Regierung, Wirtschaft, Privatpersonen) steht nach den Nutzungsbedingungen im Ermessen von Niantic (auch nicht schlecht).

Alter, Geschlecht, E-Mail, Telefonnummer, Adresse, Gerätidentifizierung, Heimatland, Hobby eingeben bzw. tracken lassen und los geht´s. Der Pokémon Club wird von der Pokékon Company betrieben und diese beruft sich auf Safe Harbor, bei mir nur noch Unsafe Harbour genannt, nachdem der EuGH dieses transatlantische Abkommen zwischen der EU und den USA gekippt hat (http://www.aa13.info/tag/privacy-shield/) .

Niantic macht keinen Hehl daraus, dass es um´s Geld geht. Es soll Werbung an den Pokéstops verkauft werden und EURO über InApp-Käufe generiert werden. Für Unternehmen heißt dies, dass sie Werbung in dem Onlinespiel ortsbezogen schalten können oder dafür zahlen, dass ein Pokéstop in oder vor dem Laden platziert wird. Dafür kann dann sogar nutzerbezogen durch Niantic abgerechnet werden. Spannende Zeiten!

Ach ja, Niantic innerhalb der EU zu verklagen, wird schwer. In den USA geht der Weg über das Schiedsgericht, wenn 30 Tage nach dem Zustimmen zu den Nutzungsbedingungen der Schiedsgerichtsklausel nicht widersprochen wurde, was regelmäßig passieren wird.

Für Menschen oder Unternehmen die einen Pokéstop auf ihrem Grundstück und/oder vor dem Geschäft als Belästigung empfinden, biete ich außergerichtlich einen Mißbrauchsbeseitigungsservice für die Pokéstops an.

Über den Author:

Ich bin Fachanwalt für IT-Recht sowie Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht und habe mich auf das IT-Recht (Fachanwaltslehrgang), Internetrecht und damit zusammenhängend auf das Markenrecht, Urheberrecht und Medienrecht (Fachanwaltslehrgang) sowie Wettbewerbsrecht spezialisiert. Ich bin seit dem April 2009 Partner eines social media Unternehmens und Inhaber des Onlineportals www.aa13.info. Der TÜV Nord hat mich als Datenschutzbeauftragter (TÜV) zertifiziert. Ihr Rechtsanwalt Thilo Zachow Dresden - 7 Tage - 24 h. 0351 21066970